Und plötzlich war der Graben zu

Sie kennen das wahrscheinlich auch: Ein Stück Gehweg, Straße oder Einmündung wird mit rotweißen Plastikbalken oder Flatterband versehen und abgesperrt. Das heißt, dort werden Bauarbeiten beginnen. Was getan wird und warum, dazu gibt es erst mal keine Information. Wird schon wichtig sein, denkt man. Allerdings dauert es, bis sich Arbeiter sehen lassen. Endlich ist es soweit. Es wird gegraben und gebaggert. Allerdings nicht, bis das Vorhaben beendet ist. Zwischendurch gibt es immer mal Pausen, manchmal sogar wochenlang. Kaum ein Bürger meckert. Man hat sich schließlich längst daran gewöhnt, dass etwas begonnen und dann erst einmal pausiert wird. Denn viele Firmen haben sich mehrere Baustellen gesichert, auf denen sie immer nur zweitweise gesichtet werden. Nur selten, so scheint es, hat ein Auftraggeber eine rasche Erledigung vereinbart.

Seit einer gefühlten Ewigkeit wird die Erde aufgerissen

In unserem Viertel wird seit einer gefühlten Ewigkeit immer mal wieder die Erde aufgerissen. Da geht es, so hat man von Nachbarn erfahren, um neue Rohrleitungen (Wasser und Gas). Manche sprechen auch von Elektro. Wissen tut es keiner so genau. Infoschilder, wie sie beispielsweise bei Hochbauprojekten vorgeschrieben sind, gibt es keine. Die Bauleute kann man auch kaum fragen. Sie sind ja selten da. Und wenn, dann haben sie keine Zeit für neugierige Anwohner. Sie müssen reinhauen, um dann auf der nächsten Baustelle das Stückwerk fortzusetzen. So kann es schon vorkommen, dass bei der Erneuerung einer Wasserleitung dummerweise ein Hydrant beschädigt wird. Für die Reparatur war anscheinend zunächst keine Zeit. Das Wasser lief und lief etwa zwei Wochen – bis die Fachleute mal wieder vor Ort waren. Seitdem fließt kein Trinkwasser mehr auf die Straße. Das tiefe Loch, das sie ausgebaggert haben, ist aber immer noch da. Vielleicht wird es nächste Woche zugeschüttet. Vielleicht auch erst im nächsten Jahr. Egal. Der Berliner ist ja geduldig und an Dauerbaustellen gewöhnt.

Geht nicht? Gibt’s nicht!

Am vergangenen Donnerstag kam der Gehweg vor unseren Häusern dran, emsig wurde ein Graben gebuddelt. „Jetzt auch das noch“, dachte ich, als ich das bei der morgendlichen Gassirunde mit dem Hund bemerkte. Ich wusste zwar ausnahmsweise, was die Leute machen. Angekündigt durch unsere Wohnungsbaugesellschaft war nämlich, dass wir neue Glasfaserleitungen für HighSpeed-Internet bekommen sollen. Wird ja wieder dauern, moserte ich im Stillen. Um dann am Abend völlig verblüfft festzustellen, dass der erste Gehweg-Abschnitt schon wieder aussah, als hätte nie jemand dort gegraben. Das neue Kabel war drin, Platten und Pflastersteine wieder ordentlich verlegt. Am Freitag ging es auf dem angrenzenden Abschnitt ebenso weiter. Die ganze Nachbarschaft war verblüfft. So etwas gibt es also auch noch?

Wann eigentlich hat die Unsitte mit den gesicherten und dann liegen gelassenen Baustellen angefangen? Und warum lassen wir uns diese Praxis ohne Widerstände gefallen?

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Dieser Inhalt wurde am 17. Januar 2021 um 21:28 von der Seite Und plötzlich war der Graben zu | LiMa+ abgerufen.


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