Wohnen mit Gewerbe

Marzahn. Rund 1.000 Wohnungen, 370 studentische Appartements und Einrichtungen für nicht störendes Gewerbe sollen zwischen 2022 und 2027 auf einer etwa elf Hektar großen, bisher wenig genutzten Fläche des Georg-Knorr-Gewerbeparks entstehen. Das ganze Viertel zwischen Wiesenburger Weg/Bahnstrecke und Georg-Knorr-Straße wird durch die landeseigene Wohnungsbaugesellschaft von der Laborgh Investment GmbH übernommen. Nur durch die Bahnlinie und die Märkische Allee von der Marzahner Promenade getrennt, wird es ein städtisches Quartier sein, das in Berlin bisher seines Gleichen sucht. Denn erstmals in der Stadt soll eine Teilfläche in einem Gewerbegebiet auch dem Wohnen dienen. Weil es dazu anfangs einen Dissens mit dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf gab, hatte der Senat 2018 das Verfahren an sich gezogen, LiMa+ berichtete. So ist die Stadtentwicklungsverwaltung Träger des Bebauungsplanverfahrens.

Austellung in Haus 10

Seit einigen Tagen werden die Pläne für das neue Quartier öffentlich präsentiert. Im Haus 10 des Geländes an der Georg-Knorr-Straße 4 können sich die Besucher (Mund-Nasenschutz und Abstand erforderlich!) ein Bild von drei preisgekrönten Entwürfen eines städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerbs machen. Geöffnet ist die Ausstellung noch bis zum 26. Juni dienstags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, sonnabends von 9 bis 15 Uhr. Die Bürger können dort ihre Anregungen, Kritiken oder sonstige Anmerkungen hinterlassen oder das auch online tun. Der betreffende B-Planentwurf liegt ebenfalls bis zum 26. Juni in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen aus, Württembergische Straße 6, Raum 554 (5.OG), Montag bis Mittwoch von 8 bis 16 Uhr, Donnerstag von 8 bis 17.30 Uhr und Freitag von 8 bis 14 Uhr. In Kopie ist er ebenfalls im alten Rathaus Marzahn, Helene-Weigel-Platz 8, Raum 1001, während der oben genannten Zeiten zu sehen. Und natürlich gibt es alle Daten ebenfalls im Internet.

Denkmalschutz ist noch ein Problem

Der Siegerentwurf von Stararchitekt David Chipperfield sieht drei Hochhäuser an den Rändern des Gebiets vor. Häuserzeilen, die ein Rechteck bilden, umschließen grüne und lärmgeschützte Innenhöfe – das Nebeneinander von Wohnen und Arbeiten soll damit ohne Spannungen möglich sein. Allerdings wurde im Gutachterverfahren kritisch bemerkt, dass Chipperfield bisher keine überzeugende Lösung für den Umgang mit der auf dem Areal vorhandenen denkmalgeschützten Bebauung gefunden hat. Das gelang dem zweitplatzierten Büro von Christoph Kohl Stadtplaner Architekten GmbH/Fugmann Janotta Partner sowie dem Dritten des Wettbewerbs, StudioVladySteeruwitz ZT-GmbH/WES GmbH Landschaftsarchitektur mit Herrmann Kraft besser. Ob Chipperfield noch einmal nachbessern muss, weil sein Entwurf aus Sicht der Unteren und der Oberen Denkmalschutzbehörde grundlegend den denkmalpflegerischen Belangen widerspricht, wird man im weiteren Verfahren sehen. Klar ist zum jetzigen Zeitpunkt jedenfalls längst noch nicht, ob seine Pläne – zumindest in der bisherigen Form – realisiert werden.

Marzahn bekommt spannendes Stück Architektur

Eins wird aber deutlich: Marzahn dürfte mit dem Georg-Knorr-Park ein spannendes Stück Architektur bekommen – direkt gegenüber den denkmalgeschützten, historischen Fabrikgebäuden der Werkzeugmaschinenfabrik Hasse & Wrede, die zwischen 1940 und 1942 unter Leitung von Hitlers Lieblingsarchitekten Albert Speer errichtet wurden. Dort produziert heute die Knorr Bremse AG Bremssysteme für Schienenfahrzeuge. Im Schweizerischen Zürich entstand in der Weststadt aus brachliegenden Industrie- und Gewerbegebieten neues urbanes Flair – denkbar, dass der Georg-Knorr-Park sich ähnlich entwickelt. Zum Alexanderplatz fährt man von dort mit der S-Bahn übrigens nur knapp 20 Minuten.

Die Finissage zum Gutachterverfahren Georg-Knorr-Park, Teilgebiet findet am 26. Juni um 18 Uhr im Ausstellungsgebäude statt. Aufgrund begrenzter Teilnehmerzahlen ist eine Anmeldung per E-Mail erforderlich.

Der Beitrag Wohnen mit Gewerbe erschien zuerst auf LiMa+.




Dieser Inhalt wurde am 17. Januar 2021 um 21:28 von der Seite Wohnen mit Gewerbe | LiMa+ abgerufen.


LiMa+ wurde als "Online-Zeitung aus dem Berliner Osten" beendet, weshalb ich möglicherweise in Verbindung mit Radio Marzahn einige Artikel (vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie es LiMa+ getan hat) zu den beiden Bezirken Marzahn-Hellersdorf & Lichtenberg veröffentlichen werde.