Heizkraftwerk Marzahn in Betrieb

Marzahn. Das neue Heizkraftwerk Marzahn ist am Mittwoch, 3. Juli, offiziell in Betrieb gegangen. Energieerzeuger Vattenfall investierte in den Bau der modernen Gas- und Dampfturbinenanlage (GuD-Anlage) an der Rhinstraße rund 325 Millionen Euro. Der Konzern bezeichnet das Marzahner Werk, das über eine Wärmeleistung von 230 Megawatt und eine elektrische Leistung von 260 Megawatt verfügt, als eines der effizientesten Heizkraftwerke (HKW) Europas. Für den hohen Brennstoffnutzungsgrad von mehr als 90 Prozent ist die umweltfreundliche Gas-und-Dampfturbinen-Technik verantwortlich. In einem hochmodernen thermodynamischen Kreislaufprozess werden dabei gleichzeitig Strom und Fernwärme produziert (Kraft-Wärme-Kopplung).

Plan vorfristig erfüllt

Die Anlage, für die am 11. Oktober 2017 der Grundstein gelegt worden war, ging sogar einige Wochen vorfristig in Betrieb: Als der schwedische Konzern Anfang 2017 die finale Entscheidung für die Investition in Marzahn traf, wurde der 30. Juni 2020 als Zieldatum für die Inbetriebnahme festgelegt. Schon im vergangenen Winter waren umfangreiche Tests durchgeführt worden, im Mai erfolgte der Sommerprobebetrieb. Am 7. Mai konnte erfolgreich die Prüfung vor der Inbetriebnahme durchgeführt werden. Trotz Corona-Pandemie gab es keine Stockungen. Es waren massive Vorsichtsmaßnahmen für die Bauleute und Vattenfall-Mitarbeiter getroffen worden.

Klimaschutzvereinbarung mit dem Land

Bereits 2009 hatte Vattenfall mit dem Land Berlin eine Klimaschutzvereinbarung getroffen. Das Unternehmen verpflichtete sich, den CO2-Ausstoß in der Stadt bis 2020 gegenüber 1990 zu halbieren. Mit dem Start der neuen Marzahner GuD-Anlage produziert die Vattenfall Wärme nach eigenen Angaben statt einst 13 Millionen Tonnen noch 6 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Bereits im Mai 2017 war im Heizkraftwerk Klingenberg in Rummelsburg die Braunkohle-Verfeuerung beendet worden. Die Anlage wurde zu gasbasierten Kraft-Wärme-Kopplung umgerüstet. Im Herbst 2019 ging das neue Heizkraftwerk Lichterfelde sowie Europas größte Power-to-Heat-Anlage am Standort Reuter West in Betrieb.
Die Kraftwerke Klingenberg und Marzahn sichern im Verbund die Wärmeversorgung für rund 450.000 Haushalte im Osten Berlins.

“Klimawandel macht keine Corona-Pause”

“Marzahn ist für uns ein starkes Symbol – gerade jetzt. Denn der Klimawandel macht keine Corona-Pause“, erklärte Tanja Wielgoß, Vorstandsvorsitzende der Vattenfall Wärme AG. „Mit der symbolischen Inbetriebnahme des Heizkraftwerkes Marzahn sind wir einen großen Schritt weitergekommen, um zusammen mit der Stadt Berlin die Pariser Klimaschutzziele bis 2030 erfüllen zu können.” Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) betonte, dass das moderne Heizkraftwerk „ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Klimaneutralität Berlin bis 2050“ sei.

Die Komponenten für das durch Siemens Energy errichtete GuD-Heizkraftwerk stammen überwiegend aus Deutschland. Siemens lieferte die Gasturbine aus Berlin-Moabit und Schaltkomponenten aus der Berliner Siemensstadt. Die Dampfturbine kommt aus Görlitz, die Generatoren aus Erfurt, die Transformatoren aus Dresden und die Niederspannungsschaltanlage aus Leipzig. Die Mittelspannungs-Schaltanlage allerdings wurde im türkischen Gebze hergestellt.

Auch neuer Netzknoten errichtet

Zeitgleich zum neuen Heizkraftwerk errichtete Stromnetz Berlin am Standort einen neuen Netzknoten. Dieser verteilt den Strom bedarfsgerecht auf die Teilnetzgebiete. In Umspannwerken wird er auf eine andere Spannungsebene transformiert. Zudem spielt der Netzknoten eine wesentliche Rolle bei der Anbindung an das Übertragungsnetz von 50 Hertz Transmission. Das Unternehmen beliefert über sein Netz etwa 18 Millionen Menschen im Norden und Osten Deutschlands mit Strom.

Altes HKW ging schon 2010 vom Netz

Am selben Ort wie das moderne HKW Marzahn stand das 1972 in Betrieb gegangene Kraftwerk Lichtenberg. Erst im November 2013 wurde es in Heizkraftwerk Marzahn umbenannt. Dieses lieferte Fernwärme und Strom für die entstehenden Neubaugebiete in Marzahn und Hellersdorf – ab 1974 dann auch als Müllverbrennungsanlage. Es folgten weitere Ausbaustufen bis 1989. Nach der Wende genügte das Kraftwerk den Umwelt- und Effizienzansprüchen nicht mehr. Die Müllverbrennungsanlage wurde bis 1995 wieder demontiert. 2010 ging der Fernwärmeerzeuger komplett vom Netz und wurde samt der Kühltürme und des nördlichen Schornsteins bis Mitte 2012 fast vollständig zurückgebaut. Nur sechs große Heißwassererzeuger auf der Südseite des sechs Hektar großen Areals und der 140 Meter hohe, weithin sichtbare Schornstein blieben stehen, LiMa+ berichtete.

An der symbolischen Inbetriebnahme des neuen Kraftwerks nahmen auch verschiedene Abgeordnete, darunter Petra Pau (Linke), Vizepräsidentin des Bundestages, teil sowie Marzahn-Hellersdorfs Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle (Linke).

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Dieser Inhalt wurde am 17. Januar 2021 um 21:28 von der Seite Heizkraftwerk Marzahn in Betrieb | LiMa+ abgerufen.


LiMa+ wurde als "Online-Zeitung aus dem Berliner Osten" beendet, weshalb ich möglicherweise in Verbindung mit Radio Marzahn einige Artikel (vielleicht nicht in dem Ausmaß, wie es LiMa+ getan hat) zu den beiden Bezirken Marzahn-Hellersdorf & Lichtenberg veröffentlichen werde.